KiWi on Tour (ALT+I)Pfadfinden macht stark! (ALT+F)

verknüpft
Landesverband (ALT+L)
Interner Bereich (ALT+N)
-

Sexualisierte Gewalt

Was ist sexualisierte Gewalt?

Von sexualisierter Gewalt spricht man dann, wenn einE ErwachseneR oder JugendlicheR ein Mädchen oder einen Jungen dazu benutzt, eigene Bedürfnisse mittels sexueller Handlungen auszuleben.

Es handelt sich dabei nicht um einen Ausrutscher oder ein Versehen, sondern um eine bewusst geplante, oft sorgfältig vorbereitete Tat. Sexualität ist hierbei das Mittel, mit dem die TäterInnen Gewalt ausüben und Macht demonstrieren (vgl. BMFSFJ 2002, 11).

Einig sind sich Fachleute darüber, dass es keine einvernehmliche sexuelle Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen geben kann. Durchgängig wird auch das Kriterium gegen den Willen des Kindes benannt und die Tatsache, dass es um psychische und physische Gewalt und um Macht geht.

Auch wenn ein Kind oder einE JugendlicheR sich nicht aktiv wehrt, wird von sexualisierter Gewalt gesprochen. Kinder sind aufgrund ihrer geistigen Unterlegenheit dem Täter oder der Täterin gegenüber nicht in der Lage, einer solchen Handlung frei zuzustimmen. Es muss also nicht notwendigerweise Gewalt angewendet werden.

Da kein Täter und keine Täterin „erwischt“ werden möchte, wird das Opfer einem großen Geheimhaltungsdruck ausgesetzt, der häufig mit Drohungen untermauert wird.

Nachfolgend zwei Definitionen, die jede auf ihre Weise sexualisierte Gewalt zutreffend beschreiben und die soeben benannten Kriterien beinhalten:

Definition 1:

Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch Erwachsene oder ältere Jugendliche ist eine sexuelle Handlung des Erwachsenen mit einem Kind, das aufgrund seiner emotionalen und intellektuellen Entwicklung nicht in der Lage ist, informiert und frei zu entscheiden, ob es dieser sexuellen Handlung zustimmen will. Dabei nützt der Erwachsene die ungleichen Machtverhältnisse zwischen Erwachsenen und Kindern/Jugendlichen aus, um das Kind zur Kooperation zu überreden oder zu zwingen. Zentral ist dabei die Verpflichtung zur Geheimhaltung, die das Kind zu Sprachlosigkeit, Wehrlosigkeit und Hilflosigkeit verurteilt.

(MINISTERIUM FÜR KULTUS, JUGEND UND SPORT BADEN-WÜRTTEMBERG 1999, 7).

Definition 2:

Wenn Erwachsene oder ältere Jugendliche ein Mädchen oder einen Jungen benutzen, um ihre eigenen Bedürfnisse nach Macht, Zuwendung und Nähe in Form von sexuellen Handlungen zu befriedigen, sprechen wir von sexuellem Missbrauch. Missbrauchshandlungen an Mädchen und Jungen reichen von aufgezwungenen Küssen, Streicheln, Berühren von Genitalien bis hin zu Anal-, Oral- und Vaginalverkehr. Weitere Formen sind Kinderprostitution und Kinderpornografie. Sexueller Missbrauch ist nach unserer Erfahrung in der Regel eine Wiederholungstat und erstreckt sich oft über Monate und Jahre

(WENDEPUNKT E.V., Freiburg).

Wie häufig kommt sexualisierte Gewalt vor?

Laut polizeilicher Kriminalstatistik wurden im Jahr 2000 in Deutschland 15.581 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen nach den §§ 176, 176a und 176b StGB (Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung) erfasst.

Von den Opfern waren 23,7% männlich und 76,3% weiblich.

Betroffene Kinder und Jugendliche:

  • Etwa jedes vierte Mädchen und jeder 12. Junge unter 16 Jahren wurden/werden sexuell missbraucht.
  • Das Durchschnittsalter liegt zwischen zehn und elf Jahren. Mädchen und Jungen können jedoch in jedem Alter Opfer eines sexuellen Missbrauchs werden.
  • Jungen werden eher im Freizeitbereich (Sportverein, Jugendverein) missbraucht, bei Mädchen kommt der sexuelle Missbrauch eher im häuslichen Bereich vor (Verwandte, Nachbarschaft).
  • Betroffene brauchen im Durchschnitt sieben Anläufe, bis sie jemanden finden, der ihnen hilft!

Täterinnen und Täter

  • Der Großteil der TäterInnen kommt aus dem sozialen Nahbereich des Kindes (Verwandte, Bekannte der Eltern, NachbarInnen, BabysitterInnen, LehrerInnen, JugendgruppenleiterInnen,...).
  • Nur ca. 10% sind Fremdtäterinnen!
  • 10-25% der TäterInnen sind Frauen.
  • Täter/innen kommen aus allen sozialen Schichten und können von 12 bis 99 Jahre alt sein.
  • Sexueller Missbrauch ist eine Wiederholungstat. Eine einmalige Tat ist selten.

Einige der oben genannten Zahlen beruhen auf Schätzungen und Untersuchungen, die deutlich über die in der Kriminalstatistik erfassten Zahlen hinausgehen. Aufgrund der vermutlich hohen Dunkelziffer sind keine exakten Zahlen bekannt.

Täterstrategien

Es gibt leider kein Raster, anhand dessen man einen Täter oder eine Täterin sofort erkennen kann. Es gibt jedoch verschiedene Verhaltensweisen, die TäterInnen häufig zeigen:

Sie suchen Orte und Situationen auf, an denen sich Kinder gerne aufhalten. Einige TäterInnen engagieren sich bewusst als Jugendgruppen-leiterInnen, SporttrainerInnen etc., um Kontakt zu Kindern und Jugendlichen zu haben. Gleichzeitig versuchen sie, zu den Eltern einen guten Kontakt aufzubauen, um sicherzugehen, dass diese nicht misstrauisch werden.

Danach könnte es folgendermaßen ablaufen (dies ist nur ein Beispiel, es kann auch ganz anders sein):

Der Täter oder die Täterin baut eine persönliche Beziehung zu einem Kind auf bzw. verstärkt diese beispielsweise durch besondere Unternehmungen. Das Kind wird anderen gegenüber bevorzugt. Der Täter oder die Täterin vermittelt dem Kind das Gefühl „Ich werde ernst genommen.“.

Nach und nach wird dann körperlicher Kontakt zum Kind aufgenommen, indem z.B. „Zauberstücke“ mit dem Penis vorgeführt werden oder das Kind durch Spielchen im Bett in die Erwachsenenwelt eingeführt wird. Die ersten Übergriffe erscheinen dem Kind zufällig. Der Täter oder die Täterin wartet zunächst die Reaktion ab. Wenn das Kind sich dann abwehrend verhält, hört der Täter oder die Täterin oftmals an dieser Stelle auf. Zeigt das Kind jedoch keinen deutlichen Widerstand, intensiviert der Täter oder die Täterin den Kontakt und verunsichert das Kind, wenn es versucht, dem Ganzen ein Ende zu machen. Es werden Drohungen ausgesprochen oder es wird darauf verwiesen, dass bisher doch alles in Ordnung war. Das Kind wird zum Schweigen verurteilt („Wenn du was erzählst, wird deine Mama ganz traurig, und das willst du doch nicht, oder?“) und es wird ihm die Verantwortung für die missliche Lage gegeben („Beim letzten Mal hast du auch mitgemacht!“).

Diese Vorgehensweise ist beispielhaft und soll eine Grundlage sein, anhand der wir nachfolgend einige Präventionsmethoden darstellen, die allgemein gültig sind.

Nach oben
BdP LV Baden-Wrttemberg
Postfach 1422
76293 Stutensee
Tel. 0700 / 23722983
bawue@pfadfinden.de
www.bawue.pfadfinden.de
Mitglied in
World Association of Girl Guides and Girl Scouts
World Organization of the Scout Movement